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Award : News02.04.2016

Newcomerin des Jahres 2015 Christin Klotz Léon: Und die soll jetzt mein Motorrad in die Werkstatt schieben?

Newcomerin des Jahres beim Award Bike Woman of the Year, den fembike gemeinsam mit Fachmedienmarke »bike und business«, den Branchenpartnern BMW Motorrad, Hermann Hartje KG und Harley-Davidson Deutschland ausrichtete, heißt Christin Klotz Léon. Sie arbeitet als Motorradmechanikerin bei Zweirad Norton in Mömlingen. Fembike sprach mit der stolzen Newcomerin des Jahres 2015 Christin Klotz Léon.

Wie kamst du auf die Idee, dich beim Award zu bewerben?

Das war die Idee von meinem Chef Axel Funke. Er hatte entdeckt, dass es den Award gibt und mich gefragt, ob ich nicht mitmachen will. Mir hat die Idee gefallen, also hat er mich angemeldet. Er hat sogar einen Kunden und Freund gefragt, ob er nicht den Film drehen will.

Euer Betrieb heißt Zweirad Norton. Seid ihr auf Nortons spezialisiert?

Nein, der Name hat nichts mit der Motorradmarke zu tun. Der frühere Chef hieß Norton, daher der Name. Wir sind eine freie Werkstatt, aber auf BMWs spezialisiert.

Seit wann arbeitest du bei Zweirad Norton?

Seit September 2012. Ich habe eine Ausbildung zur Zweiradmechanikerin, Fachrichtung Christin mit der FlexMotorradtechnik gemacht. Nach der Gesellenprüfung wurde ich übernommen.

War das deine erste Ausbildung?

Nein, ich bin Halbspanierin und habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht. Das ist ein Job, bei dem ich viel im Büro saß. Das ging für mich nicht richtig auf, deshalb habe ich mich schon länger nach Alternativen umgesehen. Das Thema Motorrad und Handwerk hat mich interessiert. Also habe ich Bewerbungen geschrieben und hier im Betrieb ein Praktikum gemacht. Danach haben sie mich genommen.

"Meist sagt der Kunde, was er sich vorstellt"

Du bist vorher schon Motorrad gefahren, nehme ich an.

Ich habe mit dem Autoführerschein auch den für Motorräder gemacht. Mein Vater fährt eine Kawasaki ZZR 600. Er meinte, wenn ich irgendwann selbst Motorrad fahren will, dann soll ich gleich den Motorradführerschein mitmachen, das sei besser.

Welches Motorrad fährst du selbst?

Ich fahre eine Kawasaki ER-6f.

Und ich dachte, da du im Bewerbungsfilm für den Award von einem Motorradumbau erzählt hast, das wäre dein Motorrad gewesen, diese BMW K 75.

Nein, das war eine Kundenmaschine.

Baut ihr oft Motorräder um?

Ja, vor allem im Winter hat jeder von uns einen Umbau für Kunden. Im Augenblick sind es auch drei, der Meister, der Kollege und ich bauen je ein Motorrad um.

Wie habe ich mir das vorzustellen mit den Umbauten? Kommt der Kunde und hat ganz konkrete Wünsche und ihr sagt, das geht, das geht nicht?

Meist sagt der Kunde, was er sich vorstellt. Viele haben sogar Bilder dabei, die sie im Internet Strahlende Christin auf Kunden-BMWgefunden haben oder sonst wo. Die schaue ich mir an. Manchmal steht das Motorrad im Wohnzimmer und ist nicht unbedingt fahrtauglich. Da mache ich Vorschläge, wie sich was technisch umsetzen lässt. Manchmal finde ich auch eine Idee nicht schön, ein Heck oder eine Lampe und berate den Kunden dann, was besser aussehen könnte.

Und wer bestimmt am Ende?

Der Kunde selbstverständlich.

 

"Ich schicke ihm ab und zu Bilder per Mail"

Gibt es Kunden, die seltsam schauen, weil du eine Frau bist?

Sehr selten. Es gibt schon welche, die verdutzt sind, wenn sie mich sehen und ich merke richtig, wie sie bei sich denken: Und die soll jetzt mein Motorrad nach hinten in die Werkstatt schieben? Aber gerade habe ich einen Kunden anderthalb Stunden zu seinem Umbau beraten. Das war überhaupt kein Problem.

Passiert es auch mal, dass Kundenvorstellung und sein Budget nicht zusammenpassen?

Selten. Wir fassen im Voraus die Kosten zusammen, damit die Kunden auch wissen, was auf sie zukommt. Und wenn wir während des Umbaus merken, dass es teurer werden wird, rufen wir den Kunden selbstverständlich an.

So eine Umbauphase dauert ja eine ganze Weile. Kommen die Kunden oft vorbei, um zu schauen, wie weit ihr seid?

Der Kunde mit der K 75 war häufig da, aber er wohnt auch im Nachbarort. Der von dem Motorrad, das ich gerade umbaue, wohnt weiter weg. Ich schicke ihm ab und zu per E-Mail Bilder, damit er die Fortschritte sehen kann.

Welche Motorräder baut ihr um? Sind da alle Motorradmarken dabei?

Nein, wir sind auf BMWs spezialisiert. Wir sind zwar eine freie Werkstatt, haben aber eben den Schwerpunkt auf BMWs. Deshalb bauen wir auch bisher nur BMWs um.

Du hast in deinem Bewerbungsfilm davon gesprochen, wie viel Arbeit du in ein spezielles Motorrad gesteckt hast. Tut es dann nicht weh, wenn du den Umbau dann weggeben musst?

Nein, der Kunde hat sich sehr gefreut darüber, das ist dann auch für mich schön.Christin werkelt am Zylinderkopf

Möchtest du dir auch eine eigene Maschine umbauen?

Ich möchte es im Moment nicht, aber das heißt nicht, dass ich mir nicht irgendwann gerne eins umbauen würde. Ich arbeite den ganzen Tag mit Motorrädern, da will ich nicht am Abend auch noch drei Stunden lang an der eigenen Maschine herumschrauben. Das ist sehr zeitaufwändig. Ich habe einen Hund, einen Tierheimmischling, und Freunde, mit denen ich was machen will.

"Ich bin gern in der Natur, gehe mit dem Hund spazieren oder fahre Rad"

Du verbringst also nicht deine ganze Freizeit mit Motorradfahren?

Nein. Mein Vater ist selbstständig, er hat eine eigene CNC-Fertigungsfirma, und war in meiner Kindheit viel weg. Deshalb haben meine Mutter und mein Vater beide gesagt, ich solle als Beruf machen, was mir Spaß macht, aber schauen, dass ich auch noch Zeit für andere Dinge habe.

Und was macht deine Mutter?

Die hatte ein Café in Barcelona.

Du hattest ja vorhin im Interview gesagt, dass du Halbspanierin bist. Also hast du auch in Barcelona gelebt?

Von meinen 14. bis zum 20. Lebensjahr. Ich habe dort Abitur gemacht und bin danach nach Deutschland, weil ich schauen wollte, ob ich studieren will oder eine Ausbildung mache.

Vermisst du Barcelona?

Ja sehr. Oder besser ausgedrückt: Als ich dort gelebt habe, habe ich das Land vermisst, denn ich bin gern in der Natur, gehe gern mit meinem Hund spazieren oder fahre Rad. Deshalb lebe ich auch in einem Dorf, in Großostheim.

Von Großostheim habe ich, ehrlich gesagt, noch nie was gehört.

Das liegt zwischen Mömlingen, wo Zweirad Norton ist, und Aschaffenburg.

Da hat Barcelona schon eine andere Dimension.

Posing für Label SchuhwerkJa, obwohl ich gern auf dem Land lebe, ist mir es hier wiederum zu ruhig. Da wünsche ich mir manchmal, hinter dem Schlafzimmerfenster wäre eine Straße und Autos würden vorbei fahren.

Habt ihr spanische Kunden, bei denen du deine Zweisprachigkeit einsetzen kannst?

Nein, bis jetzt noch nicht.

Vielleicht lesen dieses Interview ja spanische Motorradfahrer aus eurer Gegend und kommen.

Das würde mich sehr freuen.

Christin, wir danken dir für das Gespräch.

Fotos: Zweirad Norton

Mit Christin Klotz Léon sprach Karin Schickinger