
Auf Zug
Wie schön wäre es doch, sich manchmal ins Urlaubsland beamen zu können. Keine lästige Autobahnheizerei, die Reifen, Nacken und Nerven strapaziert. Kein langwieriges Gegurke über die Landstraße. Nein, abends los, morgens da und alles ausgeschlafen. Das verspricht der Autozug auch den Motorradfahrerinnen, wohnen sie denn in der Nähe eines Terminals.
Von Hamburg in die Provence, von Düsseldorf an den Gardasee oder von Berlin an die Grenze zu Slowenien, das alles geht unproblematisch für Bikes mit dem Autoreisezug. Voraussetzung für den Status Motorrad ist bei Zweirädern wie Gespannen eine Länge von 2,65 Meter, andernfalls gelten die Preise für Pkws. Ausführliche Infos zu Strecken, Terminals und Preisen stehen auf der Website der Deutschen Bahn.
Hier in Kürze die Basics:
Für jedes Terminal gibt es eine genaue Anfahrtsbeschreibung im Netz, welche Parkplätze wo vorhanden sind, wo die Wartezeit verbracht werden kann und an welchen Ecken Sozias und Soziusse abgestellt werden dürfen. Da die Krafträder aufwändiger zu befestigen sind, liegt ihre Verladezeit vor der der Pkws. Der genaue Termin steht auf der Zugkarte. Auf jeden Fall bei der Anfahrt noch die Check-in-Zeit miteinbeziehen, denn dort am Schalter gibt es den Zielortzettel, auf dem das Reiseziel vermerkt ist. Er muss gut sichtbar hinter dem Windschutz oder im Tankbereich befestigt sein, sonst steigt das Bike vielleicht in Villach aus, wo die Reise doch bis Triest gehen soll.
Verzurren
Motorräder stehen meist auf der unteren Ebene des Reisezugs. Da die Höhe lediglich 1,60
Meter beträgt, sollten größere Biker beim Befahren des Stellplatzes ihren Helm tragen. Nach der Fixierung des Motorrads mit Radvorlegern beginnt das Procedere des Befestigens. Die Gurte dafür stellt die Bahn. Für die Verzurrung werden vier Anschlaggurte (kurze Schlaufen aus besonders weichem Material) und vier Hakengurte (Spanngurte) je Motorrad verwendet. Für die optimale Befestigung stehen sich Fahrer und Zugpersonal gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite. Das soll heißen, dass die Besitzer eines Bikes meist besser angeben können, wo – gerade bei verkleideten Maschinen – es werkseitig vorgesehene Verzurrpunkte gibt. Das Personal dagegen weiß, in welcher Reihenfolge die Gurte festgezogen werden müssen.
Am liebsten ist dem Ladepersonal, wenn das Bike auf dem Seitenständer steht, weil die Aufstandsfläche der Maschine zwischen den Rädern und dem Seitenständer ein relativ großes Dreieck bildet. Hauptständer wird auch geduldet, doch bildet sich bekanntermaßen eine Wippe und die Gurte müssen mit höherem Zug nach hinter verspannt werden.
Gepäck
Wer abschließbare Koffer oder Motorradtaschen hat, kann diese an der Maschine lassen. Alle anderen Gepäckstücke müssen für die Fahrt mit dem Reisezug speziell befestigt sein, Gepäckspinnen oder Expander reichen nicht aus, denn ein Autoreisezug fährt mit Geschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern, manchmal ist das Bike auch rückwärts unterwegs. Dazu kommen immer wieder Windstöße von einem entgegenkommenden und vorbeirasenden Zug. Wer unbedingt seine Gepäckrolle nicht ins Abteil tragen will, bekommt eventuell einen extra Gurt vom Servicepersonal. Speziell verbietet die Bahn, „lose Gepäckteile wie Helm, Kochtöpfe, Klappstühle“ am Motorrad zu lassen. Neben dem Sichlösen und Herumfliegen besteht ein gewisses Diebstahlrisiko. Auf jeden Fall müssen die Bikerinnen alles vor der Abfahrt mitnehmen, was sie während der Fahrt benötigen. Ist der Zug erst einmal unterwegs, darf aus Sicherheitsgründen niemand mehr an sein oder ihr Fahrzeug.
Große Windschutzscheiben
Wer eine hochstehende oder großflächige Windschutzscheibe am Motorrad hat, sollte diese entweder vor der Fahrt abbauen oder sich einen speziellen Windschutzscheiben-Bestigungsgurt am Check-in-Schalter im Terminal geben lassen. Um diesen anzulegen, muss die Scheibe allerdings sauber sein, denn dieser wird mit Saugnäpfen befestigt.
Abteil, Liegewagen oder Schlafwagen
Geht die Fahrt durch die Nacht, ist es eine Überlegung wert, sich einen Schlafplatz mitzubuchen. Nur mit einem richtig guten Schlaf gesegnete Menschen kommen nach einer
Nacht im Zugsessel erholt am Zielbahnhof an. Eine Alternative ist der Liegewagen. Bis zu sechs Personen finden hier einen Schlafplatz, was oft viel schlechte Luft und unliebsame Geräusche des Nächstens zur Folge haben kann. Muss aber nicht. Bei Gruppenreisen bietet sich die Buchung eines ganzen Abteils an, denn dieses ist günstiger als sechs Einzelplätze.
Bequem ist die Übernachtung im Economy-Abteil der Comfortline. Bis zu drei Personen können hier schlafen, es gibt eine eigene Waschgelegenheit mit Seife und Handtüchern inklusive Frühstück am Morgen. Luxuriöser ist nur noch die Deluxe-Variante mit eigener Dusche und Toilette.
Motorradfahrer-Rabatt
Motorradfahrer bekommen einen Rabatt von zwanzig Prozent, wenn sie bis sieben Tage vor ihrer Abfahrt den Platz im Autoreisezug buchen. Das Angebot gilt bis 31. August 2011 für alle Komfortklassen und ist mit dem Autozug-Spezial kombinierbar, solange Kontingente vorhanden sind. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 79 Euro innerhalb Deutschlands, ab 119 Euro nach Frankreich, Italien oder Österreich, für Sozia oder Sozius ein Festpreis von 60 Euro. Infos gibt es nur im Internet oder über das Autoreisezug-Servicetelefon, desgleichen die Buchung dieses Angebots. Dazu muss im Feld „Sonderangebot“ BIKE22 eingetragen werden, damit der Rabatt auch gewährt wird.
Weitere Infos: www.dbautozug.de
Karin Schickinger
Fotos: Deutsche Bahn
Terminals
- Hamburg-Altona: Lörrach, München-Ost; Narbonne (F); Alessandria, Bozen/Verona (I); Villach/Triest
- Berlin-Wannsee: München-Ost; Avignon/Narbonne; Bozen/Verona; Villach/Triest
- Hildesheim: Lörrach, München-Ost; Narbonne; Alessandria, Bozen; Villach
- Düsseldorf: München-Ost; Narbonne; Alessandria, Bozen/Verona; Innsbruck, Schwarzach, Villach/Triest
- Frankfurt/Neu-Isenburg: Narbonne; Alessandria; Villach/Triest
- München-Ost: Düsseldorf, Hamburg-Altona, Hildesheim, Berlin-Wannsee
- Lörrach: Hamburg-Altona, Berlin-Wannsee
Frankreich
- Avignon, Narbonne
- Alessandria (Piemont), Bozen, Verona, Triest
- Innsbruck, Schwarzach, Villach, Wien
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