
Heizer oder Blümchenpflücker
Als Anfängerin bin ich weit davon entfernt, entspannt an der Rolle zu drehen. Schnell fahren ist für mich noch eher Stress, denn Vergnügen. Gerade vor einer Kurve habe ich eine wahre Reizüberflutung: runterschalten, ggf. bremsen, richtig sitzen, Blickführung, legen oder drücken, Scheitelpunkt, wieder beschleunigen ... (hab ich was vergessen?). All das passiert bei mir nicht automatisch. Ich muss drüber nachdenken. Und wehe in der Kurve liegt, wie durch den vielen Regen gerade häufig, Schotter. Das wirft meine innere Checkliste dann über den Haufen – und ich bekomme Stress.
Neulich bin ich mit einem Biker gefahren, der seit seiner Kindheit fährt. Und das am liebsten schnell. Er hatte mir zwar versprochen, dass wir es gemütlich angehen lassen, aber wenn das „gemütlich“ war, will ich nicht wissen, wie „nicht gemütlich“ aussieht. Ich hatte die heile Not an ihm dran zu bleiben. Durch das für mich zu hohe Grundtempo hatte ich gefühlt keine Zeit meine Kurvencheckliste abzuarbeiten. Der Ausflug war daher Stress pur – und nach sehr kurzer Zeit habe ich gestreikt. Danach war es dann besser, aber ich glaube, die nächste gemeinsame Tour steht nicht so bald an.
Bleibt die Frage: welcher Bikepartner ist für das eigene Lernen und den eigenen Spaß besser? Der Heizer oder der Blümchenpflücker? Lerne ich mehr, wenn langsam die innere Checkliste abarbeiten und so mehr und mehr an Sicherheit gewinnen kann? Oder ist es besser, dem Kopf kaum eine Chance zu geben und einfach zu machen? Ich würde sagen: Es kommt drauf an.












Kommentare
Danke für die Anregung!
Habe mich zum Thema Blümchenpflücken an eine witzige Anekdote erinnert und gleich einen Blogbeitrag als Antwort zu diesem Artikel geschrieben: http://tourentante.wordpress.com/2012/07/31/vom-blumchenpflucken-und-hei...
Wer ist der beste Guide?
Jemand, der Dich mag, der Dich und Deine inneren Abläufe kennt und findet, dass Du Deine Sache schon gut machst. Jemand, der heraus bekommt, dass Du auch gerne schneller fahren möchtest, es aber noch nicht kannst oder Dir einfach noch die Erfahrung fehlt. Mein Mann war mein bester Guide, obwohl er genau der Typ ist, den Du beschrieben hast: jahrzehntelanger Fahrer, schnell, klappt in den Kurven einfach um und schon ist er weg. Dann machte mein Sohn 2007 seinen Motorradführerschein: dasselbe. Nach kurzer Zeit waren seine Fußrasten abgeschliffen, hatte er alles mögliche an seinem Krad verbogen und grinste bis zu den Ohren. Mir blieb immer nur der Stress, genau, wie Du ihn beschreibst. Das war vor gut sechs Jahren. Mittlerweile fahre ich mit jedem mit, der mich fragt. Ich beschreibe kurz, wie ich mich selbst einschätze und wo meine Schwächen liegen und es klappt immer gut. Natürlich muss Mann auch manchmal auf mich warten... Aber so lange nicht gemeckert und noch gegrinst wird, ist alles gut. Ich bin seit 2006 ca. 55.000 km auf dem Motorrad gefahren und habe einge Trainings (ADAC meistens, zwei andere) absolviert. Da habe ich dann gemerkt, dass es viele Leute wie mich und Dich gibt. Du bist da keinesfalls alleine. Und auch einige Männer habe ich kennen gelernt, deren Schräglage sehr viel Unbehagen bereitete. Nicht jeder ist der gleiche Typ. Mein Mann fährt mittlerweile so, dass ich sehr gut mitkomme. Da weiß ich, dass ich was geschafft habe, aber, wie gesagt, es hat sechs Jahre bei mir gedauert (ich bin übrigens 48 Jahre alt).
Heizer oder Blümchenpflücker
Als erstes sollte doch mal festgestellt werden ,das Frauen anders fahren als Männer. Da laufen ganz andere Dinge im kopf ab als bei Frauen. Wir denken zuviel. Da muss erst analysiert werden- was wäre wenn- und das klappt nicht. Mir ging es genauso wie in dem Bericht. Der anfang war ne Katastrophe. Zu langsam, Kurven mit 50- auf der Landstrasse wohlbemerkt- Umdrehen ging garnicht. Mein Mann hat dann den spiess umgedreht und wir tauschten die plätze. Jetzt fuhr ich vorn und er hinten. Und siehe da , es wurde besser. Ich musste für mich fahren , ohne auf ihn zu achten, und das machen wir heute noch so. Mittlerweile bin beides- mal schnell unterwegs- mal gemütlich - wie grade die Lust dazu ist. Wir treiben uns im Schwarzwald, Alpen, Bayern , Schweiz etc .rum und es geht. Am Anfang war daran nicht zu denken.Allerdings fahren wir nicht in Gruppen . Max.4 Mann, das reicht. Alles andere ist uns zu anstrengend, die fahrstile zu unterschiedlich. Was mir persönlich sehr geholfen hat, war ein Sicherheitstraining und sehr viel Lesen, Bernd Spiegel, Handbuch für Frauen usw. Wissen vermittelt Sicherheit , mir jedenfalls. Fakt ist auch, wer mit Anfängern fährt, oder nach Ansage :bitte gemütlich: der sollte sich dran halten, ansonsten wird sone Tour schnell zur Qual oder endet in schlimmeren Dingen. Und man sollte sich auf gar keinen fall unter Druck setzen lassen., auch das geht nicht gut. Abschliessend stelle ich immer wieder fest , mit ein bisschen mehr Rücksicht und Toleranz funktioniert es wesentlich besser.
Blümchenpflücker!!
Ich bin Blümchenpflücker und leiste mir und meiner Tochter jedes Jahr ein Kurventraining mit Sister Act auf dem Heidbergring, das ist dann mein "Rudelerlebnis", weil ich wg. meiner Fahrweise nur noch allein fahre. Ich tu mir den Stress mit anderen Motorradfahrern einfach nicht mehr an. Ich hab es mehrfach mit verschiedenen Gruppen probiert, es hat halt nicht sollen sein und blöde Sprüche brauch ich nicht. Ich fahr halt lieber ne saubere Kurve statt ner schnellen. Vielleicht liegt es auch daran, daß man, wenn man den Motorradführerschein erst gut 12 Jahre nach dem Auto macht, einfach schon zu viel gesehen hat...
Blümchenpflücker
Auch ich gehöre zu dieser Fraktion. Es heißt doch Motorradfahren und nicht Motorradrasen! Im Laufe der Zeit habe ich mir meine Leute mit denen ich zusammen fahre genau rausgefiltert. Einige gute Freunde sind geblieben, da komen auch keine blöden Sprüche. Die wissen von Anfang an : mit mir wird nicht geheizt!!! Ansonsten fahre ich lieber allein, dann ist das Motorradfahren ein Vergnügen!
Blümchenpflücker
Ich gehöre auch zur Blümchenfraktion. Viele von denen, die mit mir gefahren sind haben sich nicht unbedingt beschwert. :o) denn ich bevorzuge auf Touren immer die landschaftlich schöne und "nichtheizerfreundliche" Route mit kleinen und kurvenreichen Sträßchen. Da ist schnellfahren meißt gar nicht drinn. Aber man erlebt mehr.
Blümchenpflücker
Hallo Thani, Blümchenpflückbetrieb ist Geniessen pur, man riecht im Sommer das Heu, man spürt den warmen Wind und die frische Luft. Ich bin zwar Anfänger ( habe erst ca. ein halbes Jahr Erfahrung ) und fahre auch gerne landschaftlich schöne Routen, jedoch muss"frau" auch "fit" sein für die normale Landstraße. Wennmein Mann und ich zusammen fahren, nehmen wir beide Rücksicht aufeinander, d.h. ich nicht zu langsam - er nicht zu schnell = beide haben Spaß. Fahre doch mal durchs Sauerland - hier wird alles geboten von Blümchen-Routen bis zu heissen Kurven!
Weder - noch
Ich fahre nun seit dem Jahr 2004 aktiv Motorrad. Im Besitz des Führerscheines bin ich seit 1986. Mein erstes Motorrad war eine BMW 1100 GS, dannach 1150 GS und nun bin ich auf 1200 GS umgestiegen. Meine Fahrpraxis habe ich durch ein sehr einfühlsames und schonendes Vornewegfahren meines Partners erlangt. Viele Fahrten durch die Vogesen und Schwarzwald auf kleinen, kurvigen und zum Teil sehr engen Straßen hat mir die Sicherheit auf dem Motorrad gebracht. Heute fahren wir oft sehr zügig, dennoch mit der nötigen Voraussicht; aber auch sehr gerne gemütlich auf allerkleinsten Sträßchen zum Teil auch mit Schotter. Mein Fazit: Der richtige "Lehrer und Vorausfahrer" macht es und formt die eigene Fahrpraxis.