
Wild gekocht
Drei Kochbücher gibt es, die Rezepte speziell für Biker bieten. Und die Bikerinnen? Die werden bekocht, aber natürlich mit dem, was Bikern schmeckt: Fleisch - fett, scharf und gebraten. Oben drauf ein Blättchen Basilikum.
Eigentlich gehört diese Besprechung in die Gender-X-Rubrik, denn die Kochbücher Cook-Wild-Wilder-Wildest richten sich ganz klar und ohne Umschweife an die Herren der Schöpfung. Und nicht nur generell an diese, sondern an die der Untergattung Biker. Weil die aber anscheinend nicht wirklich gern ihre Nahrung selbst zubereiten, müssen ganz spezielle Motivationsverstärker – „ein Mann braucht starke Reize“ – her: ein Totenkopf mit Kochmütze etwa oder leicht bekleidete Damen auf Choppern.
Essen will der Biker eh nur fettiges Fleisch, scharf gewürzt und knusprig angebrannt, alles auf US-amerikanisch getrimmt. Es gibt Appetizer, Grilled und Noodles, die dann doch Rigatoni, Tortellini oder Maccaroni heißen. Gemüse ist nach diesem Essverständnis was für Weicheier oder Ladys. Trotzdem haben ein paar Salate ihren Weg ins Biker-Kochbuch gefunden, schließlich bekommen auch Harley-Fahrer ohne Vitamin C Skorbut. Stilecht muss das Grünzeug Namen tragen wie Greek Farmer Salad statt Griechischem Bauernsalat oder Italian Salad, eine Mischung aus Eisbergsalat, Gurke, Tomate mit gekochtem Ei, Schinken, Käse, Thunfisch – dafür würde kein Motocyclisti von der Ducati steigen. Aber diese gehören wahrscheinlich nicht zur Zielgruppe, sondern die Jungs, die von Burnout-Wings oder Softtail-Steaks sprechen, wenn sie gebratenes Rind mit Alu-Kartoffeln und Discounter-Kräuterquark meinen.
Das Konzept setzt sich im zweiten Band („Cook Wilder“) fort, nur dass statt Noodles nun Hotspots & Soups und statt Pizza jetzt Marinaden & Dips kredenzt werden. Damit sich die Biker mit dem ständigen Bier nicht die dicke Wampe antrinken, legen die Macher noch die Abteilung Drinks drauf. Sogar das ein oder andere „deutsche“ Gericht hat sich reingeschmuggelt, so findet mann einen feinen Ochsen im Senfbad und die Osmane-Bemme, hinter der sich Kebab verbirgt.
Für den dritten Band, den wildesten, sind dem Autorenteam (darunter zwei mit „Dr.“) anscheinend ein wenig die Ideen ausgegangen. Deshalb packten sie den Münchner Koch Bernd Arold als Experten auf den Sozius, immerhin gehört er zu den „jungen Wilden“ der deutschen Fernsehkochszene und fährt laut Buchrücken eine gechoppte SR 500. Arold erklärt vor jedem Kapitel die Grundlagen: „Fleisch ist das beste Gemüse.“ Oder: „Wer seinen Gästen rabenschwarz verkokeltes, zähes und straubtrockenes Grillgut auftischt, muss sich nicht wundern, wenn die eigene Frau einen für ’ne Pfeife hält und ihre kranken sexuellen Fantasien künftig mit anderen Geschlechtspartnern auslebt.“ Noch Fragen?
Vielleicht wie Cashewnuss-Minz-Kaninchen auf Steckrüben-Püree mit Tequila-Sechuan-Tuna geht oder Rinderfilet im Glas pochiert mit Zander und Tobinambur-Baumkuchen? Dann lohnt sich ein weiblicher Blick in Cook Wildest doch. Selbst wenn ein zweites Mal – so ist das mit den Ideen, siehe oben – nach in Cook Wild die komplizierte Rezeptur von Bruschette erklärt wird. Die haben diesmal einen Extra-Tipp dazu bekommen: „Wenn Frauen mit am Tisch sitzen, noch auf jedes Brot ein Blatt Basilikum legen.“ Da sagen wir artig: Danke! Denn auch wir sind noch nicht über die Phase hinaus, in der für uns jemand den Gasgriff, Tschuldigung, den Grill bedienen muss.
Text: Karin Schickinger
Cook Wild: Nico Imhof, Carsten Heil, Katharina Klimpke, Stephanie Müller, Dr. Michael Ahlsdorf, Maitreya Dittmers, Elina Matz
Cook Wilder: Nico Imhof, Carsten Heil, Björn Meißner, Dr. Michael Ahlsdorf, Dirk Mangartz, Vladimir Marianov, Dirk-Boris Rödel, Silvia Stoll, Felix Zurbrüggen
Cook Wildest: Nico Imhof, Bernd Arold, Carsten Heil, Björn Meißner, Dr. Michael Ahlsdorf, Boris Glatthaar, Tillmann Ziegenhain, Dr. Heinrich Christmann, Kathrin Krämer
jeweils 12,90 Euro, Huber Verlag, Mannheim











