
Ist Motorradfahren Sport?
Motorradfahren kann schweißtreibend sein, keine Frage. Aber ist es Sport? Wird dabei Fett verbrannt, werden Muskeln aufgebaut? Sportmediziner, Motivationsforscher und Anthropologen haben sich mit der Faszination Motorrad beschäftigt.
Sport ist körperliche Aktivität und aktiv sein ist Motorradfahren
Ernährungswissenschaftlern zufolge zerfällt die westliche Menschheit in nicht allzu ferner Zukunft in zwei Gattungen: Da sind zum einen die übergewichtigen bis fettsüchtigen Artgenossen, die hauptsächlich Fertigprodukte und Fast-Food-Gerichte speisen und sich wenig bis gar nicht bewegen. Die Alternativspezies besteht aus Nahrungspedanten und Fitnessfanatiker, die vor dem Low-Fat-Frühstück zehn Meilen durch den Park rennen.
Da lacht die Motorradfahrerin. Mehr Bewegung heißt schon immer ihr Credo, weshalb es sie jedes Wochenende hinaus auf die Landstraße zieht, in windigen Kurven die Berge rauf und runter, die Täler entlang und wieder rauf und runter. Stunden- und kilometerlang. Bewegung pur. Und ein Gedanke blitzt auf: Endlich könnte sie Vorbild sein für eine ganze Generation rundlicher Couchpotatoes, sie hinaus aufs Bike locken und die Arterhaltung wäre gesichert.
Müde lächelnd winken die Experten ab. Nicht dass sie den Motorradfahrerinnen die Lust an der Bewegung absprechen würden. Keine Frage, ein Blick in die strahlenden Augen am höchsten Punkt eines Passes beweist das Gegenteil. Doch dann zeigen die Fachleute vorwurfsvoll auf den qualmenden Motor und die Fahrerin weiß, was ihr nun unterstellt wird. Nicht sie hätte ihr Zweirad in schwindelnde Höhe getrieben, sondern ihr vier- (oder zwei-) taktender Beweger. Und die Bewegung, die sich fördernd auf die Gesundheit auswirke, sei die körperliche Ertüchtigung, gemeinhin auch als Sport bezeichnet.
Desillusioniert, aber noch nicht bereit aufzugeben, wird die Bikerin, zuhause angekommen, ihr Lexikon zu Rate ziehen. Darin steht verzeichnet, dass es sich bei Sport um eine Kurzform des englischen „disport“ handelt und das bedeutet schlicht „Vergnügen“. Die Leserin grinst, denn sie weiß, Motorradfahren ist reines Vergnügen.
Allerdings schränkt das Lexikon sofort ein, dass Sport für die körperlichen Aktivitäten des Menschen verwendet wird, die mit Bewegung, Spiel oder Wettkampf zu tun haben. Und da ist es, das Wörtchen „körperlich“. Aber braucht es für das Fahren eines Motorrads keine körperliche Anstrengung? Ist der so locker und leicht anmutende Tanz durch die Kurven keine Kraft raubende Tätigkeit? Oder die schnelle Hatz über die Autobahn, Knie fest an den Tank gepresst, die Hände um den Lenker gekrallt? Alles kein Sport?













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