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Award : Gewinnerinnen15.04.2017

Gewinnerin des Sonderpreis Start-Up Sophie Willborn: Ich versuche immer, meiner Intuition zu folgen

Im November 2016 vergaben fembike.de und 'bike und business' zum zweiten Mal den Award Bike Woman of the Year. 50 Bewerbungen gingen ein, die zehn kreativsten und inspirierendsten Motorradfrauen kamen in die Endrunde. Die Jury - bestehend aus der Branchenvertreter von BMW Motorrad, Michelin Motorradreifen und Stadler Motorradbekleidung sowie Frauke Tietz (Geschäftsführerin „fembike.de“) und Stephan Maderner (Chefredakteur „bike und business“) - kürte Sophia Willborn mit dem Sonderpreis Start-Up.

Sophie, du hast den Sonderpreis Start-up beim Award Bike Woman of the Year bekommen. Was gab es dafür?

Eine Urkunde im Bilderrahmen und einen Glaspokal mit 3D-eingraviertem Foto. Der steht noch bei uns auf dem Küchentisch. Amis scheinen die Technik noch nicht zu kennen mit den Lasergravuren im Glas. Deshalb sind sie immer super fasziniert von dem Pokal und deshalb steht er auch noch dort auf dem Küchentisch.

Das heißt, du hast viel mit Amerikaner zu tun.

Mein Mitgründer ist Amerikaner.

Was habt ihr gegründet? Für welches Produkt bekamst du den Preis?

Sophie bei den Harley Days in Hamburg 2016Wir haben ein kabelloses Musiksystem für Motorradhelme entwickelt. Als ich vor drei Jahren den Motorradführerschein gemacht habe, wollte ich auch gerne Musik hören beim Fahren. Doch es gab nur Systeme mit Kabeln, was ich nervig fand. Also habe ich nach einer Alternative gesucht.

Um sich zuzutrauen, so ein kabelloses Musiksystem zu entwickeln, braucht es doch bestimmt eine spezielle Ausbildung. Woher hast du die Voraussetzung?

Ich habe Produktdesign und Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau studiert. Ersteres mit Abschluss Diplom, letztes hat sich irgendwann verlaufen.

Nee, echt, verlaufen?

Ja, denn tatsächlich interessiert es niemanden, was man irgendwann mal studiert hat, wenn man ein Unternehmen leitet. Headwave war definitiv die besser zeitliche Investition.

Die Musik kommt von einem Bluetooth-fähigen Handy

Für die Entwicklung von Musiksystemen, die kabellos funktionieren?

Es funktioniert nicht nur kabellos, es nutzt auch den Helm als Resonanzkörper, als großen Lautsprecher. Der Helm wird zur Concert Capsule.

Konzertkapsel. Klingt gut. Wo sitzt das Musiksystem genau?

Der Headwave TĀG wird auf die Rückseite des Helms geklebt. Weil er etwas flexibel ist, passt er sich optimal allen Helmradien an.

Woher kommt die Musik?

Zum Beispiel von deinem Bluetooth-fähigen Handy.

Wie weit war es von der Idee bis zur Umsetzung? Machst du alles allein?

Nein, ich habe ein internationalesSophie mit ihrem Headwave TAG Team. Ich bin schon lange in der Berliner Start-Up-Szene sehr aktiv und wurde als Repräsentantin nach Tokio von der dortigen Szene eingeladen. Dort lernte ich Donald kennen. Donald ist heute zwar im Vorruhestand, hat aber früher ein Unternehmen mit über 3000 Mitarbeitern geleitet. Er fand meine Idee so gut, dass er beschloss, mich zu unterstützen.

Wie sah die Unterstützung aus?

Zum einen als Investor, zum anderen stellte er den Kontakt zu Toby in San Diego her, der dann den ganzen Bereich Business-Administration und Finanzen übernommen hat. Am Anfang haben wir alle über Skype zusammengearbeitet, bis Toby Ende 2014 nach Berlin gezogen ist.

In deiner Bewerbung steht, dass bei euch Wohn- und Arbeitsbereiche sehr nah bei einander liegen, quasi eins sind.

Am Anfang haben wir, wie es für viele Start-Ups typisch ist, in Coworking-Spaces zusammengearbeitet.

Kurze Erklärung: Coworking-Spaces sind Räume, in denen meist junge Freiberufler, Firmengründer und andere Kreative arbeiten können – ohne sich ein eigenes Büro anmieten zu müssen.

Ich finde es nicht sinnvoll, arbeiten und leben zu trennen

Im März 2015 haben wir – Toby, mein Freund und ich – eine ganze Etage in einem Einfamilienhaus am Rande Berlins angemietet. Dort haben wir jetzt unsere gemütliche Wohn-Arbeits-WG. Das passt super für mich, da ich es nicht sinnvoll finde, Arbeiten und Leben zu trennen. Ab und zu nehmen wir sogar AirBnBler hier auf.

Aber ihr schlaft nicht im Büro?

Nein (lacht), wir haben einen WohnbSophie hält einen Vortrag bei der BOSCH ConnectedExperience 2016 (Berlin)ereich, unser Büro und Lagerbereiche mit Kartons unserer Produkte. Da wir auf unserer Website schreiben, dass jeder gerne vorbeikommen kann, um TĀG zu testen, haben wir auch immer wieder Headwaver hier zu Besuch. Dabei konnten wir feststellen, dass vor allem Mittfünfziger unser Produkt lieben. Die schauen am Anfang meist etwas skeptisch, wenn sie unser Headquarter sehen, aber sobald sie im Büro sind, finden sie es richtig gut.

Und wo produziert ihr?

Nicht bei uns. Wir sorgen dafür, dass alle Einzelteile des TĀGs pünktlich bei der Produktionsstätte landen. Die Endmontage erfolgt bei einem Automobilzulieferer, der seinen Sitz auch hier in Berlin hat.

Und Donald? Er wohnt nicht bei euch?

Donald ist nach wie vor in Tokio. Wir telefonieren täglich miteinander. Er hat die nötige Erfahrung und hilft uns, die typischen Start-Up-Fehler zu vermeiden.

Erstaunlicherweise ist auch Indien ein guter Markt

Was sind denn typische Start-Up-Fehler?

Schlechte Zahlungsbedingungen einzugehen, zum Beispiel. Oder Verträge zu lasch aufzusetzen. Exklusivrechte sind auch so eine Sache.

Wie teilt ihr beiden anderen die Arbeit auf?

Ich bin für Produktentwicklung, Produktion und Marketing zuständig, Toby hat den ganzen Bereich Business-Administration und die Versandabwicklung übernommen. Und er betreut unsere Kunden außerhalb von Deutschland, gerade im englischsprachigen Raum.

In welche Länder liefert ihr euren Headwave TĀG überall hin?

Durch das internationale Team waren wir von Anfang an in der Lage, den Vertrieb auch international aufzuziehen. Neben Deutschland und Europa haben wir Distributoren in den USA,Sophie mit ihrer Motorradgruppe in Japan, Australien und erstaunlicherweise ist auch Indien ein guter Markt für den Headwave TĀG.

Könnt ihr davon leben?

Letztes Jahr haben wir gut verkauft. So gut, dass wir nun an einem zweiten Produkt arbeiten. Woran genau wird noch nicht verraten.

Und für ein eigenes Motorrad reicht das erwirtschaftete Geld auch?

Du wirst lachen, aber am Anfang bin ich mit der Harley von meinem Freund herumgefahren. Jetzt habe ich ein eigenes Motorrad, eine Honda Fireblade.

Das ist ja ein sehr sportliches Teil. Zeigt sich da ein kleiner Mentalitätsunterschied zwischen deinem Freund und dir?

Eigentlich nicht. Ich cruise genauso gern, wie ich sportlich unterwegs bin.

Im Ernst: Unternehmt ihr gemeinsame Ausfahrten?

Eher nicht, dafür habe ich meine Motorradgruppe. Die besteht aus einer ganzen Menge Leute, die am Wochenende Ausflüge machen. Jetzt im Winter schrauben wir allerdings mehr.

Es bringt nichts, irgendetwas zu erzwingen

Habt ihr eine Garage oder Werkstatt zusammen?

Wir treffen uns immer bei dem, der gerade nicht mehr weiterkommt …

Zum Biertrinken und gute Ratschläge geben?

Ja, genau (lacht).

Hast du denn als Gründerin eines Start-up-Unternehmens überhaupt Freizeit? Ich weiß, du willst Arbeit und Leben nicht trennen, aber ehrlich: Wie viel arbeitest du?

Ich versuche immer meiner Intuition zu folgen. Wenn ich nicht produktiv bin, dann gehe ich Motorradfahren oder an den See. Es bringt ja nichts, irgendwas zu erzwingen. Ich arbeite aber genauso bei bestem MotorrSophie Willborn vor den Rocky Mountains 2016adwetter am Wochenende stundenlang am Schreibtisch oder die Nächte durch, wenn ich in einer produktiven Phase bin.

Ein Ausblick in die Zukunft: Wie stellst du dich in zehn Jahren vor?

Ich werde sicherlich noch viele weitere geniale Produkte entwickeln. Allerdings halte ich nichts davon, großartig Pläne zu machen. Für mich ist es wichtiger das Leben einfach so zu lieben und zu akzeptieren, wie es kommt. Ich bin überzeugt davon, dass man das Leben grundsätzlich nicht so ernst nehmen sollte.

Liebe Sophie, vielen Dank für das Gespräch.

Fotos. Archiv Sophie Willborn

www.headwave.de