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Award : Gewinnerinnen05.01.2017

Award-Gewinnerin 2016 Juliane Leckert: Es lässt sich immer was verbessern, weiterentwickeln

Im November 2016 vergaben fembike.de und 'bike und business' zum zweiten Mal den Award Bike Woman of the Year. 50 Bewerbungen gingen ein, die zehn kreativsten und inspirierendsten Motorradfrauen kamen in die Endrunde. Die Jury - bestehend aus der Branchenvertreter von BMW Motorrad, Michelin Motorradreifen und Stadler Motorradbekleidung sowie Frauke Tietz (Geschäftsführerin „fembike.de“) und Stephan Maderner (Chefredakteur „bike und business“) - kürte Juliane Leckert von Alex's Bikeshop zur Siegerin.

Wie kamst du dazu, dich beim Award Bike Woman of the Year zu bewerben?

Wir bekommen den Newsletter von 'bike und business'. Darin habe ich den Aufruf gelesen, sich bei dem Award zu bewerben und dachte: Warum nicht? Ich habe mich kurz mit meinem Partner und einem Arbeitskollegen beraten und anschließend die Bewerbungsunterlagen heruntergeladen.

Ich dachte, Top drei wäre super

Und, ganz ehrlich, mit was für einer Platzierung hast du gerechnet? Hast du gedacht, dass du Siegerin wirst?

Nein, überhaupt nicht. Ich dachte, Top drei wäre super. Aber der erste Platz? Niemals.Jule Leckert mit ihrer Siegerinnenurkunde

Wie hat dir die Veranstaltung gefallen?

Ich fand sie schön, dass sie eingebettet ist in diese Fachtagung, finde ich richtig gut.

Warst du aufgeregt?

Klar, ich wusste ja, dass ich unter die Top Ten gekommen bin, denn die ersten Zehn waren zur Preisverleihung eingeladen worden. Je näher es auf die Top drei zuging, um so angespannter und aufgeregter wurde ich, wo ich am Ende lande. Und als Maren (die Zweitplatzierte, d. Red.) und ich auf die Bühne geholt wurden, war das schon ein sehr besonderer Moment.

Was war mit der Drittplatzierten?

Sabine war in Südafrika auf Tour, hat aber eine Videobotschaft geschickt.

Schön, mit den Beiden werde ich auch noch Interviews führen. Was hast du bekommen als Siegerin?

Es gibt eine Urkunde und einen Pokal, eine Art Glasstein, in den mein Porträt eingelasert wurde. Das hat so einen 3-D-Effekt und sieht supercool aus. Die Urkunde hängt jetzt im Geschäft, in Alex's Bikeshop. Den Pokal habe ich zu Hause stehen, denn den wollten alle sehen von der Familie. Da bin ich noch am überlegen, wohin er schlussendlich kommt. Vielleicht in eine extra Vitrine und angeleuchtet …

Papa ist Motorrad gefahren, eine Honda Varadero

Das klingt so, als wären alle sehr stolz auf dich, ihre Bike Woman of the Year?

Meine Familie ist sehr, sehr, sehr stolz auf mich. Meine Eltern und Geschwister, das sind alles Mädels, ich habe nur Schwestern und meinen Papa gibt es leider nicht mehr. Aber er wäre auchStolze Familie: Schwester Caro, Mama Leckert, Jule, Schwester Stephie, Nichte Anina (von links) sehr, sehr stolz, denn er ist der Grund, warum ich in die Zweiradbranche gekommen bin. Papa ist Motorrad gefahren, eine Honda Varadero …

… und hat dich sozusagen 'angefixt'.

Ja, wegen ihm habe ich mit 16 Jahren den Mopedführerschein gemacht und mir eine Honda CBR 125 gekauft. Und mit 17 begann ich bei Alex's Bikeshop die Lehre zur Zweiradmechanikerin gemacht. 2011 war ich fertig und blieb noch ein Jahr in der Werktstatt, bis ich in den Verkauf gewechselte.

Hattest du keine Lust mehr auf Schrauben oder warum bist du in den Verkauf?

Nein, mit keiner Lust auf Schrauben hatte das nichts zu tun. Das hat sich einfach so entwickelt. Im Winter gibt es immer weniger zu tun als im Sommer. Da habe ich das Online-Geschäft angekurbelt und fast gleichzeitig bekamen wir mit Ducati noch eine Marke dazu, da fehlte jemand im Verkauf. Es war kein Cut, sondern eine Entwicklung.

Wie können wir uns das vorstellen, dass du als junge Mitarbeiterin das Online-Geschäft angekurbelt hast? Bist du zu deinem Chef gegangen und hast gesagt: Wir sollten was online machen, das ist ein Markt?

Zuerst habe ich vorgeschlagen, dass ich mich um Postings auf Facebook kümmere, das ist für junge Kunden ein Thema. Daraus entstand die Idee, Sachen, die wir hier hatten, auf einer Jule in der Werkstatt von Alex's BikeshopPlattform anzubieten. Dabei stellten wir fest, dass es eine Nachfrage gibt und so haben wir das Online-Geschäft immer weiter ausgebaut. Nun bieten wir technisches Zubehör, Bekleidung, Helme und Accessoires an. Und das läuft gut. Wir sind zufrieden.

Woran liegt das, bekommt man bei euch die Klamotten billiger?

Nein, die Hersteller geben ja eine unverbindliche Preisempfehlung und an die halten wir uns auch. Zum einen achten die Produzenten darauf, dass wir kein Preisdumping betreiben. Außerdem bringt es ja auch nichts, wenn wir Händler uns gegenseitig unterbieten und immer weiter im Preis drücken.

Ich fahre eine Ducati Scrambler, eine rote Icon

So ein Online-Geschäft ist viel Arbeit. Anfragen bearbeiten, Pakete packen, zur Post bringen, die Retouren verbuchen, neue Artikel verschicken undsoweiter. Viele Stunden arbeitest du in der Woche?

Ungefähr zwischen 40 und 45 Stunden. Im Sommer fange ich um acht Uhr an und arbeite mit einer Stunde Mittagspause bis 18 Uhr. Im Winter meist von neun bis 17 Uhr, da ist weniger los.

Wie sieht es am Wochenende aus? Events, Ausfahrten mit den Kunden …?

Die Ausfahrten betreut der Chef Alex. Wir gehen mal auf Ausstellungen wie im Frühjahr zur Wheelies Motorradmesse in Dettelbach und im Herbst veranstalten wir ein Oktoberfest …

… deshalb das Dirndl auf dem Foto im Bewerbungsfilm?

Genau, das Bild stammt vom Oktoberfest. Es sind aber nicht mehr als vier Wochenenden im Das Team von Alex's Bike Shop: Jochen, Jule, Chefin Natalie, Chef Alex (von links)Jahr.

Ein anderes Foto zeigt dich mit einem kleinen Kind, das auf einem Motorrad sitzt.

Das ist meine kleine Nichte Anina, die im Januar drei Jahre alt wird. Sie ist die Tochter meiner ältesten Schwester Stephanie und sehr wichtig für mich, deshalb verbringe ich auch viel Zeit mit ihr.

Und dein Partner fährt ebenfalls Motorrad?

Früher schon, im Augenblick widmet er sich aber lieber vierrädrigen Oldtimern, speziell einem Buick Wildcat Baujahr 68. Ich dagegen fahre natürlich Motorrad, eine Ducati Scrambler.

Was für eine Scrambler?

Eine rote Icon.

Wir waren als Backpacker unterwegs

Wie macht ihr dann zusammen Urlaub, wenn er Oldtimer fährt und du Motorrad?

Längere Urlaube kommen gerade nicht in Frage, da er noch Landwirtschaft hat. Aber für Wochenendausflüge wechseln wir ab: Mal ein US-Car-Treffen und mal eine Motorradveranstaltung.

Apropos Urlaub. In deinem Video sind auch Aufnahmen aus Kuba zu sehen. Wann warst du auf der Karibikinsel und wo bist du herumgekommen?

Jule mit FreundAuf Kuba war ich im Oktober 2015. Ein Freund von mir hat eine Weltreise gemacht und Kuba war seine erste Station. Da bin ich zwei Wochen mitgereist. Wir waren als Backpacker unterwegs, zuerst in Havanna, dann in Viñales und anschließend in Trinidad.

Und wie kam es dazu, dass du auf einem Moped zu sehen bist?

Wir haben in Casas particulares übernachtet, das sind Privatzimmer, die Familien anbieten. Darüber kommst du gut mit Einheimischen in Kontakt. Als unser Vermieter in Viñales hörte, was ich arbeite, bestand er darauf, dass ich sein Moped Probe fahre.

Geschäftlich bin ich im Moment sehr zufrieden

Was war das für eine Marke, Modell?

Das lässt sich nicht sagen, da es aus vielen verschiedenen Teilen zusammen gepuzzelt ist. Ein bisschen Yamaha, ein bisschen Suzuki …

Und dein Reisepartner hat ein kleines Filmchen darüber gedreht. In deinem Video ist auch ein Foto zu sehen, wo du bei einer Freundin auf dem Sozius sitzt und dazu als Anliegen Jule auf dem Malecón von Havanna (Kuba)formulierst, dass du noch mehr Frauen vom Motorradfahren begeistern willst. Wie viele Kundinnen habt ihr?

Das weiß ich nicht genau. Aber es werden mehr, auf jeden Fall sind es mehr als zu der Zeit, als ich mit meiner Ausbildung angefangen habe. Vielleicht erweitert sich auch mein Bekanntenkreis, dass ich mehr motorradfahrende Frauen kennengelernt habe in den letzten Jahren. Und einige Freundinnen haben auch wieder mit dem Motorradfahren angefangen, weil sie mich kennengelernt haben.

Hast du spezielle Pläne für die Zukunft?

Geschäftlich bin ich im Moment sehr zufrieden. Es lässt sich immer was verbessern, weiterentwickeln, aber konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Liebe Jule, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Karin Schickinger

Fotos: Archiv Leckert